Mario Josten von A bis ZA wie AutoIch erinnere mich noch genau, wie ich mit fünf Jahren zum ersten Mal hinter dem Steuer eines Autos saß. Mein Opa Rudi hatte mich auf seinem Schoss und ich durfte lenken. An die Pedale kam ich mit meinen kurzen Beinen natürlich nicht und ich konnte gerade mal übers Lenkrad gucken. Mein Opa fuhr damals einen Mercedes 300 CE. Die Liebe zu Autos ist bis heute geblieben. Wenn ich nicht im Rennwagen sitze, fahre ich einen schwarzen Golf V GTI. B wie BelcarDie Belcar ist die populärste Rennserie Belgiens. Bei den Veranstaltungen auf den legendären Rennstrecken von Spa (Belgien), Brands Hatch (Großbritannien) und Zolder (Belgien) starten sowohl Tourenwagen als auch GT-Fahrzeuge. Rund 50 Autos gehen gemeinsam auf die Strecke und werden am Ende in vier verschiedenen Klassen gewertet. Die Rennserie wird von der belgischen Mediagroup Van Dyck betreut. C wie ChampagnerFür einen Rennfahrer wie mich hat Champagner immer eine ganz besondere Bedeutung. Wenn ich bei der Siegerehrung stehe, die Nationalhymne höre und einen Pokal in den Händen halte, dann bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Champagner spritzen, das gehört für mich als anschließendes Ritual unbedingt dazu. Ich versprühe nie alles, sondern hebe immer noch etwas für die Mechaniker auf. Sie arbeiten für die Fahrer unglaublich hart und haben immer einen großen Anteil am Sieg. D wie DiätIch bin kein großer Freund von Diäten, obwohl ich vor zwei Jahren auch ganz schön mit meinem Gewicht kämpfen musste. Vor meiner zweiten Formel BMW Saison 2004 habe ich sieben Kilo abgenommen. Allerdings nicht mit einer Diät, sondern mit einer konsequenten Ernährungsumstellung und viel Sport. Da purzelten die Pfunde ganz von allein. Mittlerweile wiege ich 71 Kilo bei einer Größe von 1,77 Meter. Ich mache weiterhin viel Fitness und bin konditionell gut beieinander. E wie ElkeElke und Manni sind meine Lieblinge. Sie wohnen bei mir im Zimmer in einem Terrarium und alle zwei Wochen bekommen sie eine Maus. Die beiden Kornnattern sind meine Haustiere. Manni sieht mit einer Länge von 1,10 Meter schon beeindruckend aus. Elke habe ich selbst großgezogen. Sie misst jetzt 80 Zentimeter. Wenn ich die beiden auf den Arm nehme, bin ich immer etwas vorsichtig. Schließlich zählen sie zur Gattung der Würgeschlangen. F wie Formel BMW ADAC MeisterschaftNach meinen Anfängen im Kartsport fuhr ich zwei Jahre in der Formel BMW ADAC Meisterschaft (2003-2004). Dort habe ich viel gelernt. Als Junior zählte ich zu einer besonderen Fördergruppe von BMW und ADAC, die Extra-Unterricht in Fahrtechnik und –taktik, sowie in Ernährung und Fitness bekam. In meinem zweiten Jahr wurde ich speziell von der Post in der so genannten Speed Academy unterstützt. Für den besonderen Support bin ich dankbar und profitiere jetzt davon im Tourenwagensport. G wie GS MotorsportIn dieser Saison fahre ich erstmals einen BMW M3 vom Team GS Motorsport. Mit dem Aachener Rennstall habe ich einen Glücksgriff gelandet. Teamchef Georg Severich merkt man die jahrelange Erfahrung im Rennsport an. Er fuhr DTM, STW und gewann die Belcar Serie. Sein Können möchte der 45-Jährige weitergeben. Für Gespräche mit uns Youngsters nimmt er sich viel Zeit. Er ist ein Vorbild für mich. H wie HANSSeit der Saison 2004 fahre ich mit einem zusätzlichen Kopf- und Nackenschutz. Das so genannte HANS (Head and Neck Support) besteht aus einem Schulterkorsett aus Karbon, das mit den Sicherheitsgurten und dem Helm verbunden wird. HANS soll im Falle eines Unfalls die Überdehnung der Wirbelsäule verhindern. Außerdem wirkt es dagegen, dass der Kopf des Fahrers bei einem Crash gegen das Lenkrad prallt. I wie Isotonische GetränkeWährend eines Rennens muss ein Fahrer ausreichend trinken. Schließlich verlieren wir bei circa 50 Grad im Auto viel Flüssigkeit. Das muss man sich vorstellen wie in einer Bio-Sauna, in der man unglaublich schwitzt. Aus diesem Grund habe ich immer eine Trinkflasche mit einem isotonischen Getränk (gleicht den Verlust von Mineralstoffen und Spurenelementen aus) parat. Aus der Flasche führt ein Schlauch in meinen Helm. Über diese Art Strohhalm kann ich den Getränkefluss aktivieren. J wie Josten-FamilyMeine Familie hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Mein Vater Richard begleitet mich immer zu den Rennen und unterstützt mich. Meine Mutter Gertrud kommt auch oft mit. Wenn ich fahre, sind beide nervöser als ich. Im letzten Jahr dauerten meine Rennen immer nur 25 Minuten, doch in der Belcar bin ich im Wechsel mit meinem Teamkollegen zwischen zwei und 24 Stunden im Einsatz. Das kostet Nerven. Zu Hause verbringe ich viel Zeit mit meinen beiden Geschwistern. Angelo ist 16 Jahre alt und unser Nesthäkchen Lana sechs. K wie KartMit sieben Jahren saß ich zum ersten Mal im Kart. Das war in Kerpen-Manheim auf der Outdoor-Kartbahn, auf der auch Michael Schumacher seine ersten Runden drehte. Kartfahren machte mir sofort unglaublich Spaß. Etwas Talent brachte ich scheinbar mit und in den Jahren gewann ich zahlreiche Pokale. Ein wenig PS-Erfahrung besaß ich allerdings schon vorher. Mit vier Jahren bekam ich ein Motocross-Motorrad, mit fünf absolvierte ich die ersten Rennen. L wie LehreWenn im Herbst 2005 die Ausbildungszeit beginnt, möchte ich auch eine Lehre anfangen. Die Gefahr eines Karriereendes im Motorsport ist immer gegeben. Verletze ich mich unglücklich, kann mein Traum vom Profi-Piloten schnell ausgeträumt sein. Durch die Firma meines Vaters habe ich mich immer schon ein bisschen für kaufmännische Zusammenhänge interessiert. Allerdings hat der nichts mit Autos zu tun - und das ist nun mal meine Leidenschaft. Ich werde in der nächsten Zeit schauen, was für mich das Richtige ist. M wie Mittlere ReifeAls Hückelhovener besuchte ich im acht Kilometer entfernten Erkelenz die Realschule bis zur 10. Klasse. 2004 verließ ich die Schule mit der Mittleren Reife in der Tasche. Um mich im internationalen Motorsport besser ausdrücken zu können, schrieb ich mich nach meinem Abschluss in einer privaten Sprachschule für das Fach Englisch ein. Zusammen mit einem Lehrer büffelte ich Fachbegriffe aus dem Rennsport. Mittlerweile weiß ich, dass ich mit „throttle“ nicht als „Trottel“ bezeichnet werde und ich kann auch komplizierte Zusammenhänge beim Auto abstimmen beschreiben. N wie NervositätNatürlich bin ich vor jedem Rennen ein wenig nervös. Das gehört für mich dazu. Ich laufe dann ein bisschen auf und ab und versuche, mich dabei auf das Rennen zu konzentrieren. Wenn ich endlich im Auto sitze, verfliegt die Aufregung. Während des Rennens verlasse ich mich auf mein Fahrgefühl. Es lässt sich schwer beschreiben, aber ich fühle, wie ich welche Kurve anfahren muss. Da halte ich es mit Rennfahrerlegende Hans-Joachim Stuck: Der sprach immer von seinem „Popometer“. O wie OverallMein Rennoverall ist ein ganz besonderer Schutzanzug. Er besteht aus Nomex-Material mit elastischen Manschetten an den Hand- und Fußgelenken. Ein fertiger mehrlagiger Overall wird 15 Waschbehandlungen sowie 15 weiteren chemischen Reinigungen unterzogen, bevor er abschließend getestet wird. Dann wird er einer Hitze von 600 bis 800 Grad ausgesetzt. Im Overall darf erst nach elf Sekunden der kritische Wert von 41 Grad überschritten werden. Feuerfest bis 30 Sekunden heißt das im Volksmund. Aber ich hoffe, dass ich das nicht mal am eigenen Leib testen muss. P wie PartnerIn meiner bisherigen Karriere haben mich schon viele Leute unterstützt. ADAC, BMW, Thomas Mund, Hörmann, Jotec, Polygon, Josten Tortechnik, die Post – ohne die säße ich heute wahrscheinlich noch im Kart. Auch wenn meine Gegner auf der Strecke mich vielleicht manchmal dorthin zurück wünschen, ich bin froh, schon so weit gekommen zu sein. Q wie QualifyingDie Startaufstellung („Grid“) für ein Rennen wird im Qualifying ermittelt. Das verläuft in der Belcar-Serie nach einem komplizierten Modus. Da pro Rennen im Schnitt 50 Fahrzeuge an den Start gehen, fahren wir in zwei Qualifying-Gruppen. Pro Zeiteinheit (insgesamt gibt es bei uns zwei Qualifying-Sessions) werden die Autos in gerade und ungerade Startnummern unterteilt. Erst fahren die einen (gerade Nummern), dann kurze Zeit alle gemeinsam, dann die anderen (ungerade Nummern). Allerdings kommt es bei längeren Strecken nicht so extrem drauf an, ob man nun zehn Meter weiter vorn oder hinten steht. R wie Reifen
Gute Reifen sind so ziemlich das wichtigste am Fahrzeug. Diese müssen Grip, Abtrieb sowie Verzögerung auf die Fahrbahn übertragen. Unser BMW M3 GTR ist in diesem Jahr wieder mit Michelin Reifen bestückt. Never Change a winning Team!! S wie Set-upDas Set-up beschreibt die verschiedenen Möglichkeiten, ein Rennauto auf die Gegebenheiten der jeweiligen Strecke anzupassen. Gemeint sind unter anderem Einstellungen in den Bereichen Reifen, Fahrwerk, Flügel, Motor und Getriebe. Für mich als Fahrer liegt die Anforderung nicht nur darin, ein Auto optimal über eine Rennstrecke zu bewegen. Die eigentliche Kunst zeigt sich im Abstimmen des Fahrzeugs. Ich muss meine Fahreindrücke dem Renningenieur genau mitteilen, damit wir anschließend die Einstellungen optimieren können. T wie TrainingMein tägliches Training ist mir unglaublich wichtig. Im Langstreckenbereich muss man im Auto fit sein, sonst kann man gar nicht so lange unter diesen extremen Bedingungen fahren. Ich gehe drei- bis viermal pro Woche Laufen. Hinzu kommen vier Trainingseinheiten im Fitness-Studio. Zum Glück ist die „Fitness Welt“ in Schaufenberg nur zwei Kilometer von zu Hause entfernt. Wenn ich dort mal eine Frage zu meinem Trainingsplan habe, berät mich ein Sportwissenschaftler. U wie UnterwäscheAn einem Rennwochenende ist auch unsere Unterwäsche feuerfest. Im Rennoverall tragen wir eine lange Unterhose und ein T-Shirt. Das sieht zwar nicht gerade sexy aus, aber wer schon Rennfahrer mit schweren Brandverletzungen gesehen hat, der weiß, warum man sich das antut. Auch unter meinem Helm trage ich immer eine Schutzhaube (Balaclava) gegen Feuer. V wie VorbilderMichael Schumacher bewundere ich. Er hat einfach eine sensationelle Karriere auf den Asphalt gelegt. Obwohl er schon alles gewonnen hat, freut er sich immer, als ob es sein erster Sieg ist. Im Tourenwagensport ist Jörg Müller mein Vorbild. Er kommt ebenso wie ich aus Hückelhoven. Vor den Rennen gibt er mir manchmal Tipps und wenn er in der Weltmeisterschaft der Tourenwagen (WTCC) fährt, drücke ich ihm immer die Daumen. W wie WertungsklasseIn der Belcar-Serie gibt es fünf Wertungsklassen. Grundsätzlich werden Tourenwagen (vier Türen, fünf Sitze, Serienprodukt als Basismodell) und GT-Fahrzeuge (zwei Türen, zwei Sitze + evtl. zwei Notsitze, ein Prototyp muss straßentauglich sein) unterschieden. Als weiteres Unterscheidungsmerkmal gilt der Hubraum. Ein GT unter 3600 ccm fährt in der Klasse „GTB“, ein GT über 3600 ccm startet in der Kategorie „GTA“. Bei den Tourenwagen gibt es die „TB“ (unter 3200 ccm) und die „TA“ (über 3200 ccm). Eigenständig gewertet werden als fünfte Klasse die Silhouette-Autos. Ich fahre in der Klasse „TB“. X wie Aktenzeichen XYDie Sendung Aktenzeichen XY habe ich nie gern geguckt. Diese ganzen üblen Geschichten fand ich immer ziemlich gruselig. Im Fernsehen schaue ich mir lieber Motorsport-Sendungen und Natur-Action wie „Crocodile Hunter“ auf RTL 2 an. Grundsätzlich hänge ich wenig vor der Flimmerkiste. Da unternehme ich lieber etwas mit Freunden. Y wie Yellow FlagDie gelbe Flagge signalisiert mir als Fahrer eine Gefahrensituation auf der Strecke. Wird sie von den Streckenposten geschwenkt, bedeutet das für mich: Tempo reduzieren, nicht überholen und auf einen Wechsel der Fahrlinie vorbereitet sein. Wenn man die Yellow Flag im Eifer des Gefechtes übersieht, kann es von den Rennkommissaren richtig Ärger geben. Das ist im Grunde genommen genau richtig, denn meist steht ein Fahrzeug auf der Strecke, das erst mal weggeschleppt werden muss. Wenn da einer reinrast, wird’s gefährlich. Z wie ZieleMein Ziel ist es, mit dem Motorsport irgendwann einmal mein Geld zu verdienen. Der Beruf des Rennfahrers klingt zwar ungewöhnlich, aber es gibt auf der Welt so viele interessante Rennserien, in denen professionell gefahren wird. Vielleicht findet sich da ein Plätzchen für mich. Auch einen Job in der Weiterentwicklung von Autos könnte ich mir langfristig vorstellen. Bevor die Konzerne ein Serienauto auf die Straße schicken, sollen die mich als Rennfahrer erst mal die Limits testen lassen. |
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